Du hast soeben 0.12g CO₂ Austoss generiert
Eine nicht ganz ernst gemeinter Weltrettungsversuch mit einem wahren Kern.

Der Sommer 2026 lässt auch die Schweiz schwitzen. Laut Meteo Schweiz fallen solche Hitzewellen heute rund 3,5 Grad heisser aus als vor fünfzig Jahren. Da wirkt die Frage, wie viel CO₂ eine Website verursacht, fast schon lächerlich klein. Ist sie auch, zumindest für die meisten von uns. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf.
Per Zufall bin ich über drei Begriffe gestolpert, die genau in diesen Hitzesommer passen. Sustainable Web Design, der Sammelbegriff für Websites, die bewusst wenig Daten und Energie brauchen. Carbon-Aware Computing, bei dem eine Seite den Strommix im lokalen Netz misst und bei hohem Kohleanteil automatisch in einen schlankeren Modus schaltet. Und Eco-Brutalism, ein Gestaltungstrend, der auf Systemschriften und grobkörnige, leicht komprimierte Bilder setzt statt auf verspielte Web-Fonts und hochauflösende Hintergrundbilder. Drei schicke Wörter für dasselbe Grundprinzip: möglichst wenig Ballast durchs Netz schicken. Ehrlich gesagt ist Eco-Brutalism genau die Richtung, die mir persönlich am meisten zusagt, Informationen ohne Schnickschnack. Genau das war schon Tim Berners-Lees ursprüngliche Idee vom Web, lange bevor Werbebanner, Tracking-Pixel und Autoplay-Videos dazukamen.
Zum Spass habe ich mit dem Website Carbon Calculator unsere eigene Seite getestet . Kein Labor, kein Fachgutachten, nur ein Online-Tool, das selbst zugibt, lediglich eine Annäherung zu liefern.
Ergebnis: web-professionals.ch kommt auf 0,13 Gramm und schafft immerhin eine B. Zum Vergleich: Ein einziger gefahrener Autokilometer verursacht rund 120 Gramm CO₂, mehr als 920 Aufrufe von web-professionals.ch zusammen. Relevant wird es also erst bei Webseiten mit sehr hohem Traffic sowie schlechtem CO₂ Rating.
Aussagekräftiger als die CO₂-Zahlen ist ohnehin ein zweiter, schneller Test. Google Lighthouse misst Performance, Barrierefreiheit, Best Practices und SEO auf einer Skala bis 100. Mit 92 Punkten bei der Perfomance (was ein Faktor für die CO₂ Bewertung ist) stehen wir schon mal gut da. Das merkt jede Besucherin und jeder Besucher sofort, ganz ohne CO₂-Rechner.
Eine Website wird die Hitzewelle nicht stoppen, so viel Ehrlichkeit muss sein, und auch der CO₂-Rechner ist eher ein Fingerzeig als eine exakte Messung. Trotzdem bleibt ein Muster hängen: Eine Website mit kleinerem CO₂-Fussabdruck lädt fast immer auch schneller (und vice versa), und Ladezeit ist ein Rankingfaktor bei Google. Wer schlanken Code schreibt, gewinnt also gleich dreifach, bessere Werte bei Google, zufriedenere Besucherinnen und Besucher und ein klein wenig besseres Gewissen. Optimierung lohnt sich also so oder so. Im Web Foundation Lehrgang zeigen wir, wie sauberer Code in beiden Fällen aussieht, ohne grosse Weltrettungs-Versprechen.
PS: Für diesen Blogbeitrag wurde folgender CO₂ Ausstoss generiert:
- 2 Tassen Kaffee: 200 Gramm CO₂
- 1 Gipfel: 60 Gramm CO₂
- KI generiertes Bild für Header: 5 Gramm CO₂
- Notebook-Zeit, Hochladen des Beitrags etc.
...wir könnten also unsere eigene Webseite rund 2'000 mal aufrufen um denselben Ausstoss zu generieren. Und jede/r, der diesen Beitrag gelesen hat ist für 0.12g CO₂-Ausstoss verantwortlich.