Was Eltern über die geänderten CapCut-Nutzungsbedingungen wissen sollten
Seit Juni 2025 sichert sich CapCut mit geänderten Nutzungsbedingungen weitreichende Rechte an allen in der App bearbeiteten Videos und Fotos, auch an unveröffentlichten. Dieser Beitrag erklärt, was genau in den AGB steht, wo der rechtliche Streitpunkt liegt und was du als Elternteil jetzt tun kannst.

Was Eltern über die geänderten CapCut-Nutzungsbedingungen wissen sollten
Am 12. Juni 2025 hat CapCut, die Videoschnitt-App vieler Kinder und Jugendlicher, ihre Nutzungsbedingungen geändert. Wer die App seither öffnet, räumt dem Betreiber ByteDance, dem Konzern hinter TikTok, eine Lizenz an sämtlichen bearbeiteten Inhalten ein. Das gilt unabhängig davon, ob ein Video je veröffentlicht wird.
In den AGB steht wörtlich, dass Nutzerinnen und Nutzer CapCut eine bedingungslose, unwiderrufliche, unentgeltliche, vollständig übertragbare und weltweite Lizenz einräumen, um Inhalte zu nutzen, zu verändern, zu vervielfältigen, zu veröffentlichen und zu verbreiten. Das betrifft jedes Video, jedes Foto und jede Tonspur, die in der App landet, auch Material, das nie gepostet wird. Gesichter und Stimmen sind eingeschlossen. Ein Tanzvideo, das ein Kind nur für sich geschnitten hat, kann laut diesen Bedingungen später in einer Werbung von CapCut oder einem Partnerunternehmen auftauchen, ohne dass jemand nachfragt oder bezahlt.
Einen Widerspruch gibt es nicht. CapCut wertet die blosse Nutzung der App als Zustimmung. Wer die AGB ablehnt, kann die App nicht mehr verwenden. Das macht den Fall heikel: Kinder tippen auf "Weiter" und stimmen damit einer Lizenz zu, deren Tragweite sie kaum einschätzen können, oft ohne dass Eltern das mitbekommen.
Gesicht und Stimme gelten unter der europäischen Datenschutz-Grundverordnung als biometrische Daten und fallen damit in eine eigene Kategorie mit strengeren Regeln. Artikel 9 verlangt eine ausdrückliche Einwilligung, Artikel 7 ein jederzeitiges Widerrufsrecht. Beides sieht CapCut nicht vor. Das Schweizer Datenschutzgesetz stuft biometrische Daten, die eine Person eindeutig identifizieren, ebenfalls als schützenswerte Personendaten ein und verlangt eine ausdrückliche Einwilligung. Datenschutzjuristinnen und -juristen halten die AGB für rechtlich angreifbar. CapCut wendet sie trotzdem an.
Ein Teil der Daten wird in Drittstaaten wie China verarbeitet, wo Behörden Firmen zur Herausgabe von Daten verpflichten können. TechRadar nennt CapCut inzwischen eine Content Farm, kein Videowerkzeug mehr. Für ein Kind, das dort seine Tanzvideos schneidet, heisst das: Das Material gehört nach dem Hochladen nicht mehr nur ihm.
Was kannst du als Elternteil jetzt tun?
- Sprich mit deinem Kind darüber, dass CapCut kein privates Werkzeug ist. Auch unveröffentlichte Clips fallen unter die Lizenz.
- Entscheidet gemeinsam, ob euch die App das wert ist. Kostenlos ist sie nicht, bezahlt wird mit den Rechten am eigenen Bild.
- Lösche bestehende Projekte und das Konto, wenn ihr das Risiko nicht eingehen wollt.
- Prüft Alternativen zum Videoschnitt, bevor ihr euch festlegt.
Der Fall zeigt, wie schnell sich die Bedingungen einer App ändern können, ohne dass Eltern oder Kinder das bemerken. Genau darüber sprechen wir in unseren Elternkursen in Grabs: Welche Rechte gebt ihr beim Download einer App ab, wer liest die AGB, und was heisst das für dein Kind.